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Amnesty International: Alle 30 Sekunden ein verachtender Tweet gegen Frauen

netzpolitik.org - 10 Januar, 2019 - 16:02
Es ist kaum zu ertragen, was Nutzerinnen auf Twitter über sich ergehen lassen müssen. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Melanie Wasser

Was sagt man zu einer Frau, die im Internet ihre Meinung vertritt? Wie wäre es vielleicht mit: „Würde sie endlich mal die Klappe halten, wenn man sie vergewaltigen würde?“ Vielleicht aber auch: „Ich würde dir lieber mit einem Hammer ins Gesicht schlagen, du Weiße hassende, rassistische Schlampe. Geh endlich in Rente!“ Oder wenn man wirklich stichhaltig argumentieren will: „Schneidet ihr verdammt noch mal die Kehle durch, aber foltert sie erst.“

Es sind Sätze wie diese, mit denen viele Frauen auf Twitter täglich konfrontiert sind [echte Tweets, eigene Übersetzung]. Der Microblogging-Dienst, der von einem hohen Twitter-Manager einmal als „meinungsfreier Flügel der Meinungsfreiheit“ bezeichnet wurde, hat ein Problem. Die Plattform ist ein Nährboden für menschenverachtende Tweets. Vor allem Frauen sind ein häufiges Ziel dieser Hassbotschaften.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat 2018 zwei Studien veröffentlicht, in denen qualitativ und quantitativ untersucht wurde, wie weibliche User von den verbalen Attacken gegen sie betroffen sind und fordert Twitter auf, endlich aktiv zu werden. Der zweite, quantitative Teil der Untersuchung erschien Ende Dezember.

Rassistische, homophobe und sexistische Kommentare

Die Zahlen zeigen eine erschütternde Bestätigung dessen, worauf Twitter-Nutzerinnen in der Vergangenheit oft hingewiesen haben. Viele Frauen werden auf der Plattform massiv beleidigt und herabgewürdigt. Softwaregestützt hat Amnesty für die Untersuchung zunächst eine Datenbasis generiert, bei der nach eigenen Angaben darauf geachtet wurde, dass keine Verzerrung vorliegt.

Die Datenbasis umfasste 288.000 Tweets, in denen insgesamt 778 Nutzerinnen genannt wurden (sogenannte Mentions). Bei den genannten Frauen handelt es sich um Politikerinnen und Journalistinnen aus den USA und Großbritannien. Vertreten waren alle britischen Parlamentarierinnen, sowie alle weiblichen Abgeordneten des US-Kongresses und Senats. Die Journalistinnen, die in den Tweets genannt wurden, schreiben für Blätter mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung, von Guardian bis Breitbart.

Die Tweets wurden schließlich von über 6.500 freiwilligen UnterstützerInnen evaluiert, die nach einer kurzen Schulung online an dem Projekt mitarbeiten konnten. In über sieben Prozent der untersuchten Tweets wurden dabei Inhalte festgestellt, die rassistisch, sexistisch, homophob oder in anderer Weise menschenverachtend sind. Hochgerechnet bedeutet dieses Ergebnis, dass die 778 Frauen, deren Accounts untersucht wurden, über eine Million problematische oder missbräuchliche Nachrichten pro Jahr erhalten – eine alle dreißig Sekunden.

Die Studie zeigt auch deutlich, dass nicht alle Frauen gleichermaßen betroffen sind. Nicht-weiße Frauen sind überproportional schlimmer davon betroffen, mit verachtenden Mentions konfrontiert zu sein als weiße Nutzerinnen. Für Journalistinnen aus dem rechten Spektrum, also beispielsweise von der Daily Mail, der Sun oder Breitbart, ist es wesentlich wahrscheinlicher, Hassbotschaften zu erhalten als für linke Journalistinnen. Bei den analysierten Accounts der Politikerinnen verhält es sich genau andersherum: Linke Politikerinnen erhalten eher verachtende Mentions als rechte.

Das Problem ist lange bekannt

Der vor mittlerweile zwölf Jahren gegründete Microblogging-Dienst Twitter berief sich zu Beginn stets auf das Prinzip der Meinungsfreiheit, wenn Kritik um Hass schürende Inhalte laut wurde. Erst um 2015 begann man, Fehler einzugestehen. Es blieb dabei aber zumeist bei Lippenbekenntnissen. Der ehemalige CEO von Twitter, Dick Costolo, fasste es so zusammen: „Wir sind beschissen darin, mit Trollen und Missbrauch auf dieser Plattform umzugehen und wir sind bereits seit Jahren beschissen darin [eigene Übersetzung]“. Twitter-Richtlinien wurden über die Zeit angepasst und ergänzt, aber die Durchsetzung scheitert weiterhin. Immer wieder tauchen Horror-Geschichten wie die von Lindy West auf. Die Kolumnistin der New York Times wurde so lange beschimpft und niedergemacht, bis sie Anfang 2017 Twitter schließlich verließ.

Der erste Teil der Amnesty-Studie enthielt bereits explizite Handlungsempfehlungen, die von der Organisation deutlich an Twitter kommuniziert wurden. Einiges davon wurde aufgegriffen: Twitters diesjähriger Transparenzbericht führte erstmalig auch detailliertere Zahlen zur Durchsetzung der eigenen Richtlinien auf. Eine offenere und ausführlichere Kommunikation der Situation hinsichtlich der Art und Schwere von Gewalt und Missbrauch gegenüber Frauen auf Twitter war eine der Handlungsempfehlungen von Amnesty International.

Unklar ist, ob die Anpassung des Transparenzberichts eine direkte Reaktion auf die Handlungsempfehlungen von Amnesty International war. Die Menschenrechtsorganisation geht in der jetzigen Studie allerdings darauf ein, dass weiterhin Verbesserungsbedarf besteht. Beispielsweise würde derzeit noch nicht aufgeschlüsselt, gegen welche Zielgruppen sich gemeldete und gelöschte Tweets vor allem richten.

Hassbotschaften führen zur Selbstzensur

In dem im März erschienenen Bericht formuliert Amnesty International ganz deutlich das Problem, das sich aus dem verachtenden Umfeld für Frauen auf Twitter ergibt:

Die Gewalt und der Missbrauch, den viele Frauen auf Twitter erleben, wirkt sich negativ auf ihr Recht aus, sich gleichermaßen, frei und ohne Angst zu äußern. Anstatt die Stimme der Frauen zu stärken, führen diese Gewalt und dieser Missbrauch, den viele Frauen auf der Plattform erleben, dazu, dass Frauen das, was sie posten, selbst zensieren, ihre Interaktionen einschränken und sogar dazu, dass Frauen komplett von Twitter vertrieben werden. [Eigene Übersetzung]

Insbesondere Tweets, in denen Frauen ihre eigene Meinung äußern, wurden in der qualitativen Studie als Auslöser für Beschimpfungen und Drohungen identifiziert. Wenn sich Frauen als Reaktion auf den gegen sie gerichteten Hass von Twitter abmelden, gewinnen damit indirekt die Akteure, die verachtende Botschaften auf der Plattform verbreiten. Es kann allerdings kaum die Rede davon sein, dass diese Nutzerinnen „aufgeben“. Der permanente psychische Druck, täglich für die eigene Meinung oder schlicht die eigene Identität erniedrigt zu werden, ist für Nichtbetroffene kaum vorstellbar.

Wenn Twitter eine Plattform für freie Meinungsäußerung sein will, müssen sich die BetreiberInnen in der Verantwortung sehen, effektiv gegen dieses Problem vorzugehen. Die Handlungsempfehlungen aus dem Amnesty-Bericht können dafür eine Basis sein. Betroffenen Twitter-Nutzerinnen bleiben bis zu der längst überfälligen Weichenstellung nur einige wenige Selbstverteidigungsmethoden. Dazu zählt beispielsweise, sich mit anderen Frauen zusammenzuschließen und Block-Listen zu teilen.

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Was vom Tage übrig blieb: Locations, Glotze & obszönes Spielzeug

netzpolitik.org - 9 Januar, 2019 - 18:00
Blick aus dem Büro am 9. Januar 2019: Der Winter regiert.

Sony-Fernseher blockieren offenbar Mediacenter Kodi (standard.at)
Das beliebte Open-Source-Programm lässt sich auf neueren AndroidTV-Geräten des Herstellers nicht mehr installieren oder ausführen. Der Elektronikhersteller Sony hat offenbar Maßnahmen gegen die freie Mediacenter-Software Kodi ergriffen.

I Gave a Bounty Hunter $300. Then He Located Our Phone (Motherboard US)
Für 300 US-Dollar können Stalker, Kopfgeldjäger und sonstige zwielichtige Gestalten den aktuellen Aufenthaltsort eines beliebigen Handys in den USA herausfinden. US-Mobilfunkanbieter verkaufen diese Daten an Datenbroker, diese wieder an andere, bis sie auf dem Schwarzmarkt landen.

A women’s sex toy won an award from CES, until they stole it back (The Verge)
Erst hat die Technologiemesse CES das Startup Lora DiCarlo mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Dann zog sie den Preis zurück und verbannte das Produkt, den Vibrator Osé, von der Messe. Begründung: „unmoralische, obszöne, frevelhafte“ Einreichungen seien nicht zugelassen. Dass in vergangenen Jahren VR-Pornos und Sexspielzeug für Männer auf der Messe präsentiert wurde, schien dagegen unproblematisch.

Geheime Daten und verschwundene Akten im BVT (Die Presse)
In der Affäre um den österreichischen Geheimdienst BVT enthüllte ein Zeuge im parlamentarischen Untersuchungsausschuss neue, brisante Details. Die konservative Regierungspartei ÖVP habe eine geheime Datenbank über Politiker, Spitzenbeamte und Justizmitarbeiter geführt und an den Spionagechef des BVT weitergegeben. Die Datenbank enthielt offenbar sensible Daten aus dem Wählerregister, die nicht weitergegeben werden dürfen.

Das Ende der Zugeständnisse (zeit.de)
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt bei den Gelbwesten-Protesten auf Härte und Repression. Annika Joeres macht in ihrem Artikel auf die heute schon heftige Bewaffnung der französischen Polizei aufmerksam, die mit ihren Granaten und Gummigeschossen schon zahlreiche Demonstranten verletzt haben. Außerdem will Macron nun eine Regelung gegen Fußball-Hooligans auch gegen politische Demonstranten anwenden: Wer einmal auffällig geworden ist, darf sich Demonstrationen nicht mehr nähern, ohne eine Strafe zu riskieren.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links & kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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Public Domain Day: Diese Werke sind seit Neujahr gemeinfrei

netzpolitik.org - 8 Januar, 2019 - 09:40
Ausschnitt aus dem Bild "Camicie rosse" von Umberto Coromaldi, das ab heute in Europa gemeinfrei ist. CC public domain Umberto Coromaldi

Reporter Egon Erwin Kisch, Dadaist Kurt Schwitters und Komiker Karl Valentin – ihre Werke sind seit dem Jahreswechsel für alle frei und ohne urheberrechtlichen Schutz verfügbar. Denn mit Beginn des neuen Jahres wurden alle Werke von Urhebern in Europa gemeinfrei, die 1948 gestorben sind. Der sogenannte „Public Domain Day“ wird jedes Jahr am 1. Januar gefeiert – in den USA das erste Mal seit 20 Jahren.

Das deutsche und europäische Urheberrecht geht über den Tod eines Urhebers hinaus. Die sogenannte Regelschutzfrist schützt Werke für 70 Jahre nach dem Todestag des Urhebers. Erst danach dürfen sie ohne Genehmigung verwendet oder veröffentlicht werden.

Das bedeutet: Schulen können Theaterstücke in der Originalversion ohne Genehmigung aufführen, Künstler dürfen Bilder und Aufnahmen verändern, remixen oder anderweitig für eigene Werke nutzen, Online-Bibliotheken wie das Project Gutenberg oder das Internet Archive können kostenfreie E-Books aus gemeinfreien literarischen Texten anbieten.

Zudem profitiert die Wikipedia: Dort haben hunderte Artikel neues Anschauungsmaterial in Form abgelichteter Kunstwerke oder Fotografien erhalten, deren freie Nutzung bis vor kurzem nicht möglich war. Das bereichert das Online-Lexikon ungemein. „Viel Freude beim Hochladen, Stöbern und Nutzen der neuen gemeinfreien Schätze“ heißt es passenderweise im Wikipedia:Kurier.

Diese Werke sind nun gemeinfrei

Unter den Urhebern, deren Werke nun in Europa gemeinfrei sind, befinden sich bekannte Schriftsteller, Künstler und Komponisten. Auflistungen gibt es bei der deutschen und englischen Wikipedia. Hier eine kleine Auswahl:

In diesem Jahr werden sämtliche Texte des „rasenden Reporters“ Egon Erwin Kisch gemeinfrei, der wie kein anderer das journalistische Genre der Reportage prägte. Ebenfalls frei nutzbar sind die Lieder und Filme des Komikers Karl Valentin und die Schriften Alfred Kerrs, einem der einflussreichsten Theaterkritiker der Weimarer Republik. Mit der urheberrechtlichen Abmahnung von Webseiten, die Zitate von Karl Valentin verbreiten, ist nun Schluss. (Jedoch bleibt der Urheberschutz für jene 25 Werke bestehen, an denen Liesl Karlstadts Mitarbeit dokumentiert ist.) Aus dem Bereich der Exilliteratur sind die Romane und Biographien von Emil Ludwig gemeinfrei.

Einige der Künstler wurden von den Nationalsozialisten für ihre Arbeiten verfolgt. Durch die Aufhebung des Urheberrechtsschutzes könnten ihre Werke künftig eine größere Verbreitung finden. Neben Kerr und Ludwig zählt dazu auch der Dadaist Kurt Schwitters, dessen Gedichte und Bilder jetzt gemeinfrei sind. Dazu kommen die Werke einer weiteren Vertreterin des Dadaismus: Emmy Hennings. Das Beitragsbild dieses Artikels stammt von dem italienischen Maler Umberto Coromaldi.

Aus dem musikalischen Bereich sind die Operetten von Franz Lehár und die Opern des italienischen Komponisten Umberto Giordano zu nennen. Frei verfügbar ist der „Tango aller Tangos“ La Cumparsita des Uruguayers Gerardo Mato Rodríguez, da auch in Uruguay nach 70 Jahren das Urheberrecht erlischt.

USA: Werke von 1923 gemeinfrei

Zum ersten Mal seit 20 Jahren wird auch in den USA wieder der „Public Domain Day“ gefeiert. Auf Druck der Unterhaltungsindustrie hatte der Kongress 1998 den Urheberrechtsschutz von 75 auf 95 Jahre verlängert, mit dem „Micky-Maus-Schutzgesetz“. Seitdem wurden keine Werke mehr in die Gemeinfreiheit erlassen. Anders als zuvor erwartet, hielt sich die Branche diesmal mit Forderungen nach einer Verlängerung der Schutzfrist zurück.

Mit dem Jahreswechsel sind in den USA nun alle Werke gemeinfrei, die vor 1924 erschienen sind. Anders als in Deutschland ist in den USA nicht das Todesjahr des Urhebers für die Schutzfrist entscheidend, sondern das Veröffentlichungsdatum. Das führt dazu, dass der Krimi „Mord auf dem Golfplatz“ von Agatha Christi in Deutschland noch bis 2047 urheberrechtlich geschützt ist, während er in den USA seit dem 1. Januar gemeinfrei ist.

Ebenfalls gemeinfrei sind Klassiker wie der Monumentalfilm „Die Zehn Gebote“, Komödien von und mit Charlie Chaplin und der Song „Charleston“, der den gleichnamigen Swing-Tanz berühmt machte. Die Duke Universität führt in einer Liste zudem Werke von Winston Churchill, Robert Frost und Aldous Huxley auf.

Einschränkung durch Bundesgerichtshof

Bei aller Freude bleibt ein Wermutstropfen: Durch ein Gerichtsurteil ist die Nutzung einiger gemeinfreier Werke aktuell nur mit Einschränkungen möglich. Mitte Dezember entschied der Bundesgerichtshof, dass Museen ein Fotoverbot in ihren Räumlichkeiten durchsetzen können. Demnach dürfen Besucher nicht einfach ein Foto von einem gemeinfreien Kunstwerk machen und veröffentlichen, wenn das Museum dies nicht wünscht. Von Museen in Auftrag gegebene Fotos eines Werkes sind sogar für 50 Jahre urheberrechtlich geschützt. Das Urteil hat deshalb auch massive Einschränkungen für digitale Netzkultur zur Folge, weil auch gemeinfreie Werke nicht bedenkenlos benützt werden können, solange nicht klar ist, wie und von wem sie digitalisiert worden sind.

Diese Einschränkungen könnten jedoch durch die EU-Urheberrechtsreform wieder aufgehoben werden, die derzeit zwischen den EU-Institutionen verhandelt wird. Der aktuelle Verhandlungsstand sieht vor, dass es keinen Schutz für bloße Reproduktionen von gemeinfreien Werken geben soll. Damit wäre die jüngste BGH-Entscheidung hinfällig.

Korrektur: In einer früheren Artikelversion wurde nicht erwähnt, dass einige Werke von Karl Valentin weiterhin nicht gemeinfrei sind. Der Artikel wurde dahingehend aktualisiert.

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Alltägliche Wahrheiten: Goodbye Twitter!

Blogs - 28 August, 2018 - 19:42

Soeben habe ich meinen Twitteraccount deaktiviert. Gerne hätte ich ihn komplett „gekillt“. Das ist erst nach weiteren 30 Tagen möglich.

Screenshot meines Twitterprofils

 

 

 

 

 

Weil man acht digitale Jahre nicht so einfach auf den persönlichen Müllhaufen werfen kann, hatte ich mich jetzt zwei Wochen lang damit schwergetan. Das persönliche Faß zum Überlaufen gebracht hat die Twitterblockade der Tweets von Digitalcourage e.V. zum Aktionstag #SaveYourInternet am letzten Wochenende.

Auch ohne meinen Account bei mastodon hätte ich das jetzt gemacht. Dort erreicht man mich jetzt unter Oreo_Pirat@mastodon.social in einer vom Umgangston her wesentlich entspannteren und freundlicheren Atmosphäre.

Ich will und kann niemandem Vorschriften machen, ob und wie er/sie Twitter weiter nutzt. Meine Weggefährten aus den letzten Jahren habe ich charakterlich und politisch so in Erinnerung, dass auch sie bald das Richtige mit ihrem Twitteraccount machen werden.

 

 

 

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Bewild-Online.de - Mein Stift, mein Zettel, mein Blog!: Deutschland im Jahr 2018

Blogs - 28 August, 2018 - 13:04

Ein Mensch ist ermordet worden. Das wäre der Zeitpunkt, am Ort des Geschehens eine Kerze zu entzünden, Hinterbliebene zu unterstützen, dem Opfer zu gedenken. Die Strafverfolgung, die Verurteilung und die Vollstreckung des Urteils ist und bleibt in Deutschland Angelegenheit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Gerichte.

Statt dessen macht sich ein Mob auf den Weg in die Innenstadt um allen zu zeigen „wer in der Stadt das Sagen hat“. Mit dabei: polizeibekannte gewaltbereite Hooligans. Ein MdB der AFD ruft auf Twitter zur Selbstjustiz als Bürgerpflicht auf, Augenzeugen berichten von Gruppen die durch die Stadt laufen und zum „Kanakenklatschen“ aufrufen. Jagdszenen. 26 Jahre nach den Anschlägen von Rostock-Lichtenhagen, fast auf den Tag genau.

Mit dem Mord an einem 35jährigen hat das alles zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr zu tun. Ich verwette meinen Hintern darauf, dass beträchtliche Teile der fast 1000 „besorgten Bürger“ die in Chemnitz aufmarschierten, erst im Nachhinein überhaupt von dem Mordfall erfahren haben. Das war den meisten wohl auch völlig egal.

Wir sprechen nicht von einer legitimen Demonstration die einen Mangel an öffentlicher Sicherheit anprangert. Wir sprechen hier von einem wütenden Mob, der nur auf den richtigen Moment wartete, um endlich zu starten.

Wir sprechen hier nicht mehr von „besorgten Bürgern“, „Islamkritikern“, „Fußball-Ultras“ oder „Verlierern des Systems“. Wir sprechen von Leuten wie Frau Faschner [1], die ihre Abneigung gegen Ausländer mit „Weil man ja gegen irgendwen sein muss, und mit denen ist es einfach“ begründet. Wir sprechen von Menschen die „Ausländer raus“, „Deutschland den Deutschen“ und „Schlagt den Roten die Schädeldecke ein“ brüllen [2] und/oder in aller Öffentlichkeit und bestimmt nicht in satirischem oder künstlerischem Kontext den Hitlergruß zeigen [3].

Wir sprechen von Rechtsradikalen und Nazis!

Niemand der am Sonntag oder gestern dort mitgelaufen ist, Verständnis oder gar Sympathie für die Handlungen zeigt, kann es sich mehr verbitten als Nazi bezeichnet zu werden.

Es ist an der Zeit, das Kind endlich beim Namen zu nennen. Es ist an der Zeit einzusehen, dass es nichts mit Verunglimpfung der Personen oder einer Verharmlosung dunkler Teile unserer Geschichte zu tun hat, wenn man diesen Begriff benutzt.

Wir leben in Zeiten, in denen ein Videospiel zensiert wird, bzw. für den deutschen Markt bis zur erzählerischen Sinnentleerung umprogrammiert werden muss, weil der Protagonist gegen Nazis kämpft und zur Kulissendarstellung Hakenkreuze im Spiel auftauchen [4]. Gleichzeitig marschieren Rechte auf und zeigen öffentlich und in eindeutigem Kontext den Hitlergruß und die Polizei schaut zu. Währenddessen brechen Journalisten in einer deutschen Stadt ihre Arbeit ab, weil die Sicherheitslage es nicht mehr zulässt [5]. Deutschland im Jahr 2018.

Am Rande bemerkt: Die Polizei überlässt quasi ganze Straßenzüge Rechtsradikalen, weil sie personell nicht in der Lage ist, die Situation zu handlen [1]. Ob allgemeiner Personalnotstand oder eine katastrophale Fehleinschätzung der Lage im Vorfeld dafür verantwortlich ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Eindeutig ist jedoch, dass eine Ausweitung der Polizeigesetze, wie sie in nahezu jedem Bundesland derzeit angestrebt oder umgesetzt wird, nicht die Problemlösung sind, als die sie uns verkauft werden sollen.

UPDATE (15:40 Uhr): Ein Freund des Opfers erklärt auf Facebook [6]:

[…] Diese Rechten die das als Plattform nutzen, mit denen mussten wir uns früher Prügeln, weil sie uns nicht als genug deutsch angesehen haben. Jeder der Daniel Hillig gekannt hat, weiß das dies unmöglich sein Wille gewesen wäre. Lasst euch nicht Benutzen, sondern trauert… […]

 

[1] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-wie-die-polizei-eine-stadt-den-rechten-ueberliess-a-1225238-amp.html

[2] https://twitter.com/Chronik_ge_Re/status/1034181409416638471

[3] https://twitter.com/cschellhorn/status/1034126675280310275 , https://twitter.com/LennartPfahler/status/1034166867504627712

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfenstein_II:_The_New_Colossus#%C3%84nderungen_der_deutschen_Version

[5] https://twitter.com/Lieber_Bunt/status/1034172536878247936

[6]: https://www.facebook.com/daniel.winderlich.5/posts/2131211603609523?__xts__[0]=68.ARBjY8SpiHg6OSBZYJ0VZHAN9sWn_9XZcRUXY0LIvLt9itAPfebpoadytVAZYrlW2vEtgZO8JPjB6yNRj2TSWXXdvsld_ppIpzz5NVq8WgdgrMFaH1YuFJpHUN2nX_VqWO7lPOE&__tn__=-R

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Pirat Aleks A.: Interessante Links und Nachrichten 20.08.2018ff

Blogs - 24 August, 2018 - 18:50
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Alltägliche Wahrheiten: Was mache ich eigentlich jetzt?

Blogs - 24 August, 2018 - 12:50

Bekanntlich reichte es für uns Piraten 2017 nicht zum Wiedereinzug in den schleswig-holsteinischen Landtag. Lange Zeit deswegen traurig zu sein, hatte ich nicht. Etwas mehr als zwei Wochen nach der Wahl sorgte ein ziemlich heftiger (gibt´s andere?) Herzinfarkt dafür, dass ich aus meinem bisherigen Leben aussteigen musste. Direkt nach der etwa siebenstündigen Bypass-OP konnte ich gerade mal 20 Meter gehen. Danach war erst einmal Pause angesagt. Heute, 15 Monate später, lege ich täglich auf dem Ergometer zwölf bis dreizehn Kilometer zurück und mache gerne ausgedehnte Spaziergänge. Geholfen hat dabei natürlich, dass ich weg bin von den circa 40 Zigaretten am Tag.

So ein Schuss vor den Bug ordnet – wenn man ihn denn richtig deutet – vieles neu. Man setzt andere Prioritäten. Politik spielt entsprechend nur noch eine sehr untergeordnete Rolle in meinem Leben. Mein Dienstherr hat mich vorzeitig in den Ruhestand versetzt, nachdem amtsärztlich feststand, dass ich nicht wieder die Fitness erreichen werden würde, die man als Ermittlungsbeamter bei der Zollfahndung nun einmal braucht.

Ganz und gar ohne Einmischen geht es allerdings auch nicht. Helfe mit Rat (öfter) und Tat (seltener) gerne in meiner Partei und an anderen Stellen. Nach wie vor haben Whistleblower genug Vertrauen zu mir und melden sich. Gerne helfe ich ihnen beim richtigen Unterbringen ihrer Informationen. Dabei helfen die „alten“ Kontakte aus dem Parlament natürlich. Das Schöne daran ist, dass ich die „Schlagzahl“ bestimmen kann. Nach dem Tod vom Jürgen Roth im letzten Jahr versuche ich in seinem Sinne handelnd „Dinge auf den Weg zu bringen“.

Dass ich nun wesentlich mehr Zeit für gute Musik und vor allem natürlich guten Blues habe, werdet Ihr noch merken, wenn ich von Konzerten berichte oder nur mal so auf Musiker hinweise.

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Piraten Ulm: Kommunalwahl 2018 in Ulm

Blogs - 24 August, 2018 - 09:47

Es war wohl keine so gute Idee mitten in der Urlaubszeit eine Mannschaft anzuheuern. Wir sagen hiermit die Aufstellungsversammlung am Samstag, den 25.08 ab und melden uns diesbezüglich wieder, wenn wir die Leute beisammen haben.

Wenn du also möchtest, dass in Ulm piratige Politik gemacht wird, melde dich doch bitte bei uns unter
vorstand(at)piratenpartei-ulm.de. Je schneller desto eher können wir aufstellen und je mehr sich melden, umso eher bekommen wir jemanden in den Stadtrat!

Liebe Grüße,
Dein Vorstand

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Piraten Offenburg: Uploadfilter gefährden Spielerezensionen und Let’s Plays

Blogs - 23 August, 2018 - 21:05

Am 12. September werden die Europaabgeordneten abstimmen, wie mit der neuen Urheberrechtsrichtlinie weiter verfahren werden soll. Auch Let’s Plays, Spielerezensionen und Abandonware sind von dieser Richtlinie betroffen, erklärt unsere Abgeordnete Julia Reda:

Uploadfilter sind absolutes Gift für die Spielekultur! Videospielrezensionen oder Let’s Plays, die Gameplay enthalten, sind oftmals (zumindest teilweise) vom Zitatrecht abgedeckt und somit keine Urheberrechtsverletzung, obwohl die Grafiken im Gameplay urheberrechtlich geschützt sind. Uploadfilter können aber nicht unterscheiden, ob es sich um eine Urheberrechtsverletzung oder ein legales Zitat im Rahmen einer Rezension oder Spielkritik handelt.”Julia Reda

Außerdem sind auch Plattformen für Abandonware betroffen, weil diese oft zwar technisch gesehen noch urheberrechtlich geschützte Spiele zur Verfügung stellen (auch im Bereich Software gilt eine Schutzdauer von 70 Jahren nach dem Tod des Autors), die Spiele aber so alt und obsolet sind, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich die Rechteinhaber beschweren.

“Niemandem entsteht ein wirtschaftlicher Schaden, wenn auf solchen Plattformen Spiele geteilt werden, die gar nicht mehr kommerziell auf dem Markt erhältlich sind. Dennoch wären solche Plattformen mit Artikel 13 unmittelbar für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer*innen haftbar und würden damit ein großes wirtschaftliches Risiko eingehen – und sie könnten zum Einsatz von Uploadfiltern gezwungen werden.”Julia Reda

Wir organisieren deshalb gemeinsam mit anderen Gruppenn von Parteien, Bündnissen und Einzelpersonen europaweite Proteste gegen die Einführung von Uploadfiltern sowie eines europäischen Leistungsschutzrechtes. Am 26. August sind derzeit Demonstrationen in 20 europäischen Städten geplant, darunter Berlin, Hamburg, München, Paris und Stuttgart. Eine Übersicht über alle Demonstrationen kann man auf einer eigens eingerichteten Karte finden.

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Piraten Offenburg: Aufruf zur Fortsetzung der Proteste gegen Uploadfilter in Stuttgart und ganz Europa

Blogs - 23 August, 2018 - 05:38

Wie angekündigt mobilisieren die Piratenpartei und verschiedene andere Gruppen von Parteien, Bündnissen und Einzelpersonen europaweite Proteste gegen die Einführung von Uploadfiltern sowie eines europäischen Leistungsschutzrechtes. Am 26. August sind derzeit Demonstrationen in 20 europäischen Städten geplant, darunter Berlin, Hamburg, München, Paris und Stuttgart. Eine Übersicht über alle Demonstrationen kann man auf einer eigens eingerichteten Open-Street-Map finden.

“Vor einem Monat haben wir Geschichte geschrieben: Wir haben ein Gesetz aufgehalten, das unsere Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt hätte. Es war eine noch nie dagewesene Niederlage für mächtige Lobbys, die stets auf eine weitere Verschärfung des Urheberrechts pochen.”Julia Reda

Nach der Abstimmung im Juli werden die Inhalte des Gesetzesentwurfs nun neu verhandelt. Im September wird es deshalb erneut zu Abstimmungen im EU-Parlament kommen, bei denen wieder Uploadfilter und Leistungsschutzrecht zur Debatte stehen werden. Die Piratenpartei will deshalb auch in Baden-Württemberg erneut zu Protesten aufrufen.

Die Öffentlichkeit hat mit fast einer Million Unterschriften deutlich gezeigt, dass sie Uploadfilter und Linksteuer ablehnt. Nun werden wir diesen Protest erneut auf die Straße bringen. Deshalb werden wir am 26.08 auf dem Marienplatz in Stuttgart stehen und zeigen, was wir von diesen unangemessenen Eingriffen in die Grundrechte jedes Einzelnen halten. Durch den öffentlichen Druck konnten wir die erste Abstimmung gewinnen. Diesen Erfolg werden wir im September hoffentlich wiederholen!”Michael Knödler

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Pirat Aleks A.: Interessante Links und Nachrichten 13.08.2018ff

Blogs - 19 August, 2018 - 19:30
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Alltägliche Wahrheiten: Scheibchenweise, weil es sonst zu viel ist

Blogs - 18 August, 2018 - 13:50

Nach über 20 Monaten bin ich also mal wieder in meinem Blog unterwegs. In meinem Leben ist seit Januar 2017 so viel passiert, dass ein Blogpost dafür einfach nicht geht. Dafür hat sich zu viel geändert – äußerlich wie innerlich.

Ich zäume das Pferd mal von hinten auf und beginne damit, Euch mitzuteilen, dass ich seit ein paar Tagen so etwas wie eine digitale Frischzellenkur erlebe. Wegen der mittlerweile ja unerträglichen Policy von Twitter bin ich auf eine Fediverse-Instanz umgezogen. Genau gesagt bin ich nun auf einer Mastodon-Instanz zu Hause und dort unter Oreo_Pirat@mastodon.social erreichbar. De facto hat Twitter seine API für Drittanbieter geschlossen, denn die horrenden Gebühren – umgerechnet für Tweetbot-Nutzer 16 US-Dollar monatlich – sind unbezahlbar. Ich hatte von Twitter ohnehin schon lange die Faxen dicke. Die Timeline lief nicht mehr chronologisch, Bots zuhauf, Nazis mit Pöbellizenz, Werbung, Willkür usw. machten den Aufenthalt dort seit lange schon mehr unangenehm als Informationen vermittelnd. Bis vor zwei Wochen wusste ich nicht, dass es für all das eine tolle Alternative gibt, die in Userhand dezentral aufgestellt und doch miteinander per Open Source verknüpft funktioniert.

Vom ersten „Toot“ (Name für Tweet), den ich „getrötet“ (Name für „twittern“) habe, bis jetzt ging es dort sehr freundlich, sehr hilfsbereit und sehr respektvoll zu. Dass ich über 3.200 Follower auf Twitter aufgebe, um wie vor neun Jahren komplett neu anzufangen in einem Social Media-Kanal, fiel mir wahrlich nicht leicht. Das hat ja auch etwas mit gefühlter Bedeutsamkeit und angenommener Reichweite zu tun – andere nennen es Eitelkeit (und sie haben Recht!). Innerhalb von drei Tagen fanden 53 Menschen meine Toots interessant genug, um mir zu folgen. Umgekehrt folge ich 78 Menschen. Weil jedoch in meiner lokalen Timeline viele andere Menschen unterwegs sind, die sehr unterschiedliche Interessen haben und von überall her kommen, breche ich gerade aus meiner alten Filterbubble aus. Das ist etwas, von dem ich in dieser Qualität genauso überrascht wie angetan bin. Einer meiner ersten Toots bringt es, wie ich glaube, auf den Punkt:

Viele aus meiner alten Twitter-TL sind schon zu einer der Fediverse-Instanzen gewechselt. Wir haben Spaß und freuen uns auf Euch!!!

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